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Im Mai 1923 lud ein Aushang in den Instituten der
Universität zu Halle und in der Mensa „Tulpe“ jagdlich interessierte Studenten
zu einem unverbindlichen Treffen zwecks eines Zusammenschlusses ein. Initiator
war der inzwischen Zweitsemesterstudent Walter Schulze, der von dem Akademischen
Jagdverein Masovia Berlin (damals noch nicht Jagdcorps) gehört hatte, und diese
Idee auch an der Universität zu Halle verwirklichen wollte. Zu diesem Treffen
fanden sich am 09. Juni 1923 im „Haus der Deutschen Volkspartei“, Steinstraße
37, vierzehn Interessenten ein, darunter auch Burchardi, denen Schulze unter
Rückendeckung von sechs Masoven und zwei Leipziger Huberten seine Vorstellungen
erläuterte. So kam es, dass aufgrund der positiven Resonanz bereits am 20. Juni
1923 im Bismarckzimmer des Hauses der Deutschen Volkspartei die
„Arbeitsgemeinschaft waidgerechter Jäger an der Universität Halle“ durch die
Herren Schulze, Burchardi, Kinzel, Warda, Kessler, Goedecke, Kees, Bolze (Borussiae)
und Rüter (Wingolf) gegründet wurde. Als Gründungstag sollte aber der Tag der
ersten Veranstaltung gelten. Noch im SS 1923 wurden die Treffen in Burchardis
Stammlokal „Deutsche Bierstuben“ verlegt, wo Schulze am 04. Juli 1923 – dem
offiziellen Gründungstag – den ersten jagdlichen Vortrag des Zusammenschlusses
hielt, welcher das Thema der „Einwanderung der Bisamratte in Sachsen“ hatte.
Nach dem Vortrag wurde, da man sich bis dahin immer noch siezte, auf das
freundschaftliche „Du“ getrunken. Bereits in diesem Sommersemester kam der
Gedanke auf, die Arbeitsgemeinschaft in eine Korporation umzuwandeln. Als im Herbst das Wintersemester 1923/24 begann, war aufgrund der Inflation aus der Arbeitsgemeinschaft eine Notgemeinschaft geworden, in der sich diejenigen, welche nach den Ferien noch übrig waren, gegenseitig aushalfen. Abends traf man sich bei dem, der noch eine warme Bude hatte. Die Treffen fanden nun in „Waidmannslust“, Mittelstraße 18, statt. Im November wurde die Umstrukturierung in ein Corps beschlossen, so dass bereits zur Weihnachtsfeier grün-weiß-blaues Band auf den Tisch gelegt werden konnte, welches jedoch noch nicht getragen wurde. Anschließend erfolgte der Umzug ins „Kaffee Kairo“, Harz 15. Ab Januar wurde täglich ein Säbelkurs bei Fechtmeister Brode auf der Moritzburg belegt. |
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Erster Farbentag des Jagdcorps Hubertia Halle
am 03. Mai 1924 |
Am 11. Februar 1924 wurde dann im Kaffee Kairo das Jagdcorps Hubertia Halle
gegründet. Gründer waren die Herren Schulze, Burchardi, Petreins, Lößl und
Rühlmann sowie die beiden Gründungsfuxen Matthiessen und Wege. Neben dem
jagdlichen Prinzip wurde in der Satzung festgeschrieben, dass das Corps auf der
Grundlage der unbedingten Satisfaktion und als Zeichen der Verbundenheit von
Weidwerk und Vaterland auf dem arischen Prinzip beruht. Es wurde allerdings
beschlossen, zunächst die Genehmigung durch die Universität abzuwarten und erst
ab dem Sommersemester Couleur zu tragen, um so die übrigen Korporationen vor
vollendete Tatsachen zu stellen. Bis dahin sollte auch die Säbelausbildung
abgeschlossen sein. Am Ende des Semesters wurde bereits eine
Semesterabschlusskneipe geschlagen, welche in „Schmelzers Höhe“,
Eichendorfstraße 19 stattfand. Während der Osterferien hatte Lößl einen Askanen
wegen Anrempelung kontrahiert. Dabei waren allerdings aufgrund von Unwissenheit
und Ferienstatus einige Formfehler unterlaufen. Dadurch wurde die Sache zur
Ehrenangelegenheit des Corps, was später noch Folgen haben sollte. Zunächst
erfolgte aber der erste Farbentag des jungen Jagdcorps, der 03. Mai 1924, an dem
erstmals auch öffentlich die grün-weiß-blauen Farben getragen wurden. |
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Im Januar hatten die Kommunisten das Moltkedenkmal gesprengt. Zum Zeichen, dass
sich der nationale Gedanke nicht töten lässt, fand am 11. Mai 1924 der „Deutsche
Tag“ in Halle statt, an dem alle national gesinnten Verbände Mitteldeutschlands
teilnahmen (Masovia war auch anwesend), so dass auch das Jagdcorps Hubertia
Halle nicht fehlen und zum ersten mal chargieren wollte. Da man noch keinen
Wichs besaß, schoss Burchardi das Geld für Cerevis und Schärpen vor, Hubertia
Leipzig stellte seine Schläger zur Verfügung und statt Pekeschen trug man Frack.
Zwei Tage später sah man sich gezwungen, die Sängerschaft Askania Pro-Patiria
auf Säbel sine zu fordern, da diese nun wegen der Ehrenangelegenheit den Kontakt
zur Hubertia abgebrochen hatte, indem sie einen Brief der Hubertia ungeöffnet
zurückgesendet hatte. Am 20. Mai traf man sich um sechs Uhr in der Morgenfrühe im „Krug zum grünen Kranze“, wo die Partie ausgetragen wurde. Lößl und Burchardi wurden abgeführt, Schulze paukte aus. Im Sommersemester wurde auch zum ersten mal ein eigenes Kneipzimmer angemietet. Dieses, bei Eckstein, Bergstraße 1, war das erste eigene Corpsheim der Hubertia, welches auch entsprechend eingerichtet wurde und vor dem erstmals die Hubertenfahne wehte. Parallel zu den Aufbauarbeiten im Corps und Corpsheim wurden auch die Arbeiten um den Aufbau des Kartells Akademischer Jagdverbindungen geführt. Im Hinblick auf Couleur gab es in den folgenden Semestern denkwürdige Momente. So wurde im Wintersemester 1924/25 beschlossen, dass ab Weihnachten 1924 die Mütze von einem Flachformat ohne Biese in eine Mütze höheren Formats mit Silberbiese getragen werden sollte. Ferner erhielt das Corps am 30. Juni 1925 sein erstes Vollwappenschild und im Oktober 1925 wurde erstmals in vollständigem Wichs chargiert. |
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Nachdem das Kartell gefestigt worden war, galten die nächsten Bemühungen der Bildung eines festeren Zusammenschlusses in Form eines Korporationsverbandes. Indem Walter Schulze al. Wolfsangel hier den wesentlichen Kontakt zu seiner Durchlaucht Fürst zu Stolberg-Wernigerode suchte und ausbaute sowie an der konkreten Planung des Verbandes, des Wernigeroder Jagdcorps Senioren-Conventes maßgeblich beteiligt war, wurde auch dieser Teil der Geschichte ein Meilenstein in der Geschichte des Jagdcorps Hubertia Halle. Am 02. und 03. Juli 1927 wurde schließlich der WJSC auf Schloss Wernigerode von Hubertia Halle, Masovia Berlin und Hubertia Breslau gegründet.
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Die drei Günder Korporationen des
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In der Folgezeit bot wieder die Corpsheimfrage einige Schwierigkeiten auf. So
wurde noch im Sommersemester 1926 ein Umzug ins „Vaterland“, Geiststraße 5
erforderlich. Diesem folgte jener ins Klosterbräu am Hallmarkt, Talamtstraße 6,
(SS 1928), und ein Jahr später im SS 1929 jener in die Seebenerstraße 172, in
die Gastwirtschaft des Hallenser Zoo. Trotz dieser Schwierigkeiten blühte das
Jagdcorps. Aus den sieben Gründern waren in nur fünf Jahren insgesamt
sechsundvierzig Corpsbrüder geworden. Im Wintersemester 1928/29 standen
Waffenstudentische Themen weit im Vordergrund. Zunächst wurde die
Bestimmungsmensur eingeführt. Beschlossen wurde, dass von jedem Corpsbruder zwei
Fuxen- und zwei Burschenpartien zu absolvieren waren, und dass eine
Pflichtpartie erst ziehen konnte, wenn zehn Gänge gestanden waren. Ferner kam es
zur Gründung des „Grünen Paukrings“ zwischen Hubertia Halle, Hubertia Leipzig
und der Sportschaft Angaria Leipzig. In diesem Zusammenhang kam es gleich zu
einer doppelten PP-Suite. Da die eigenen Hallenser Mensurwaffen ausgepaukt
werden mussten, kam es am 17. Januar 1929 zur PP mit Hubertia Leipzig und am 06.
Februar zur PP mit der Sportschaft Angaria. Dabei wurden drei Corpsbrüder
abgeführt, zwei paukten aus und einer stach ab. Am Ende dieses WS wurde unser
Jagdcorps nach langen Bemühungen in das örtliche Kartell (Halle) des Allgemeinen
Deutschen Waffenrings aufgenommen. Im folgenden Jahr wandelte sich der Grüne
Paukring. Die Sportschaft Angaria verließ den Paukring und bis zum
Wintersemester 1929/30 kamen zu den Jagdcorps Hubertia Halle und Hubertia
Leipzig noch die Jagdcorps Saxo-Franconia Tharandt und Saxo-Silesia Dresden
hinzu. Im Sommersemester 1929 bereitete erneut die Corpsheimfrage Probleme. Nachdem die Gastwirtschaft im Zoo verlassen werden musste, wurde das Corpsheim provisorisch zu „Mutter Günther“ verlegt, von wo man aus ins „Bürgerkasino“, Bertramstraße 27, zog. Auch wenn das Heim äußerst ungünstig gelegen war, was sich auch bei der Keilarbeit bemerkbar machte, war an eine Verbesserung aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu denken. Die Situation hatte sich sogar soweit zugespitzt, dass das Stiftungsfest im nachfolgenden Wintersemester nicht stattfinden konnte und sich zwei Burschen beurlauben lassen mussten, da ihnen eine Fortführung des Studiums finanziell unmöglich geworden war. Trotz der schweren Zeit wurden die Aktivitäten an der Universität aus geweitet. Corpsbruder Radczwill wurde zum Schießobmann der Universität ernannt. Unter seiner Leitung wurden dreißig Kommilitonen an der Schusswaffe ausgebildet, was allerdings nicht unter jagdlicher Prämisse geschah, sondern unter dem Aspekt der „Wehrhaftigkeit der deutschen Studenten“. Das Sommersemester 1930 hatte einen glücklichen Start, da ein neues Corpsheim im Riebeckbräu am Riebeckplatz 3a gefunden wurde. Damit konnte auch der täglich stattfindende gemeinsame Mittagstisch wieder belebt werden. Auch eine neue Büchse im Kaliber 8,15 konnte erworben werden, damit auf dem Schießstand „Fuchs“ nicht immer mit der alten KK-Büchse geschossen werden musste. Gegen Ende des Semesters gab es jedoch Probleme mit dem Wirt. Aufgrund seiner Unfreundlichkeit wurde das Corpsheim schließlich im Wintersemester in die Rathausstraße 3 verlegt. Durch die Querelen um das Heim hatte sich auch die Nachwuchsfrage verschärft -in den letzten drei Semestern waren nur drei Fuxen gekeilt worden (im ganzen Jahr 1930 war kein Fux hinzugekommen). Die Zahlen der Inaktivierungen und Philistrierungen waren fast dreimal so hoch, so dass die Aktivitas am Ende des Wintersemesters nur noch aus vier Mann bestand! Entsprechend belastet begann das Sommersemester 1931. Zwar konnte ein Fux gekeilt werden, die Ämter des Jagdwarts und des FM mussten jedoch erstmals mit einem AH besetzt werden, wofür AH Petreins einsprang. Auch in den nächsten Semestern konnten die Chargen und Ämter nicht mehr ausschließlich mit Aktiven besetzt werden. Hier war vor allem iaCB Petersen immer zur Stelle. Der AHx, Schulze-Wolfsangel, vertrat die Chargen, wenn sie ihren Aufgaben aus wichtigen Gründen nicht nachkommen konnten und übernahm im WS 32/33 zusätzlich das Amt des FM. Verschärft wurde die Situation, als die beiden einzigen Fuxen im Sommersemester 1932 wegen „Unbrauchbarkeit“ aus dem Corps entlassen wurden; ein neuer Fux konnte jedoch gekeilt werden. In das WS 33/34, das Semester des zehnten Stiftungsfestes, wurde mit nur drei Aktiven eingetreten. In diesem Semester war die Weihnachtskneipe das letzte Institut, das stattfand. Daraufhin berief der Corpsführer AH Petreins zum 28. April 1934 einen aoGC ein, auf welchem dem Erstchargierten nach seinem Nichterscheinen der schlichte Ausschluss erteilt wurde. Da Cbr Voigt die Inaktivierung beantragte, hätte für das SS 34 nur noch ein Aktiver zur Verfügung gestanden, weshalb der aoGC beschloss, bis auf weiteres zu suspendieren. Um den Zusammenhalt in Halle dennoch weiter zu pflegen, sollte unter der Verantwortung von AH Petreins ein regelmäßiger Stammtisch eingerichtet werden. Am 19. August 1934 wurde auf einem weiteren aoGC beschlossen, dass das Jagdcorps Hubertia Halle in das Jagdcorps Hubertia Saxo-Silesia Dresden übertritt. Als Tag des Übertritts wurde per Vertrag mit Saxo-Silesia der 01. November 1934 beschlossen. Am 05. August 1939 beschlossen die AH-Verbände beider Corps ihre Auflösung und Überführung in den AH-Verband des Jagdcorps Masovia Berlin, um so die Jagdcorpsidee auch über die Zeit des Verbots der freien Korporationen zu retten. |
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